We will survive!

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Überleben ist echt so eine Sache für sich. Zum Glück gibt es da Hunderte von Büchern, wie man denn im Wald draußen in der Pampa überlebt, wie man mit Holz Feuer macht und welchen Strauch man essen oder rauchen soll. Auch die Information, wie man sich sinnvoll vor Haien schützt, haben wir gefunden. Aber um ehrlich zu sein, als wir uns vor einem Dreivierteljahr plötzlich in Berlin wiedergefunden haben, hat uns das alles nicht wirklich geholfen. Denn Haie gibt es hier gar nicht!!

In Berlin lauern ganz andere Abenteuer. Um eine Großstadt zu bändigen, braucht man daher auch ganz andere Qualitäten. Sehr gefährlich kann die soziale Ader werden, die kann einen hier echt arm machen. Erst neulich haben uns während einer U-Bahnfahrt sechs verschiedene Musikanten beglückt. Ein jeder hat uns vorzüglichst unterhalten, machte nur die Fahrt insgesamt um sechs Euro teurer. Zu viel – eindeutig. Wer überleben will, darf nicht mehr als einen durchfüttern – is halt so.

Die simpelste Möglichkeit nichts zu geben, ist der beliebte, grimmig-trübe Berliner Tunnelblick. Nix-Geben geht aber auch mit mehr Spaß. Unser Liebling ist mit großem Abstand: kurz zuhören, verwirrt gucken und plötzlich wegrennen. Liegt viel Geld im Hut wirkt auch folgendes recht verstörend: eigenen Geldbeutel zücken, daneben ausleeren und klarstellen, wer hier der wirklich Bedürftige ist. Ah ja und bevor ihr noch als arme Hunde endet und denkt uns auch noch anschnorren zu müssen, merkt euch eines: Nix geben, wenn man nicht in Bewegung ist. Es gibt immer Nester von Schnorrern! Und haben die mal ein Opfer lokalisiert, fliegen sie zurück zum Stamm und führen einen komplizierten Tanz auf, der den anderen den Weg zu dir weist. Kriegt einer was -kommen alle (gilt genauso für Zigaretten und Joints). Doch nur Schnorrern auszuweichen beweist noch keine Großstadttauglichkeit.

Als professioneller Großstadtsurvivor sollte man zumindest den Indiana-Jones-Abrollsprung beherrschen. Wie sollte man sonst spektakulär in abfahrende Züge einsteigen? Auch beim Aussteigen (gegen hinterhältige Fahrkartenkontrollen) zeigt diese Technik immer wieder ihren Nutzen. Fortgeschrittene sparen sich sogar die Rolle und sliden in alter Footballmanier direkt auf dem Boden. Achtung: Vor dem Absprung die lebensbedrohliche Schlucht zwischen Bahnsteig und Zug einplanen.

Großstadtabenteuer zu bestehen, ist oberste Pflicht in Berlin! Aber wer die überleben will, benötigt die richtige Ausrüstung. Und damit ihr nicht so lange leiden müsst wie wir, hier die ultimativen, seit Jahrhunderten geheim überlieferten Großstadt-Survival-Kit-Rezepte.

Man nehme:
Eine „aus Versehen“ nicht abgestempelte Fahrkarte, mixe sie mit einem unschuldigen Touri-Blick und serviere es frisch dem Fahrkartenkontrolleur.

Ein kaputtes Feuerzeug, kombiniere es mit ausgiebigem hilflosen Schnippen und ernte mitleidige Blicke und zahlreiche Feuerspender. Vorteil gegenüber vollen Feuerzeugen: Es wird nicht geklaut!

Einen Hut, eine Mundharmonika (oder ein ähnlich grausames Instrument) und versuche zu spielen. Sehr hilfreich wenn die Kohle mal ausgeht. Tipp: Auf Plätzen ohne Fluchtmöglichkeit kriegt man selbst fürs Aufhören Geld.

Mindestens eine Packung lange Blättchen, garniere damit die hintere Hosentasche (von außen sichtbar) und erhoffe viele Blättchenschnorrer! Der Gewinn des Ganzen ist das allumfassende Wissen, wer wo was wie viel mit wem kifft! Meist fällt dabei auch was für den edlen Blättchenspender ab.

Und nicht zuletzt: Ein Schweizer Armeemesser, verrühre es mit dem Wissen aus 150 Folgen McGyver und man kann sich alles andere selbst bauen.

“Bua pass acht, Grossstadt is gfärlich“ hat Oma mal gesagt. Und wisst ihr was, sie hatte Recht. Großstadtleben ist nicht so einfach, und Abenteuer warten hinter jeder Ecke! Aber wir werden sie alle überleben – soviel ist sicher!

Eure Grossstadtsurvivor

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