Im Fadenkreuz der grossstadtsurvivor

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UNSERE NEUE KOLUMNE IN DER THCene

(nur echt mit den vier S)

Überleben - eine Sache für sich. Zum Glück gibt es Bücher, wie man in der Pampa überlebt, mit Holz Feuer macht und welchen Strauch man essen oder rauchen soll. Auch wie man sich sinnvoll vor Haien schützt, haben wir erfahren. Aber als wir uns vor vier Jahren plötzlich in Berlin wiederfanden, hat das alles nicht wirklich geholfen: Denn Haie gibt es hier gar nicht!

Da half nur die Gründung der Selbsthilfegruppe „grossstadtsurvivor“. Doch was ist das? Ein grossstadtsurvivor? Vor wenigen Jahren waren sie noch völlig unbekannt. Obwohl Sie sich quantitativ nicht vermehrten, ist Ihre Bekanntheit immer weiter gestiegen. Kein Wunder, schließlich streben Sie nach der Weltherrschaft. Gerade der neuste Ausbreitungsversuch der hier untersuchten Spezies – ab sofort dürfen auch die Leser der THCENE von Ihrem unermesslichen Wissen profitieren – verbreitet Angst und Schrecken bei allen Prüden, Spaßbremsen und sonstigen Sesselpfurzern.

Doch mit was habt ihr wehrlosen Leser es da überhaupt zu tun? Sind grossstadtsurvivor gefährlich, ansteckend oder machen Sie sogar abhängig? Die Antwort ist klar: Ja, das sind Sie und das machen Sie, und das ist auch gut so.

grossstadtsurvivor, die wohl schönste und gesellschaftlich unverwertbarste Spezies der Welt, kann nur durch mehr mehr als weniger massiven THC-Konsum überleben. Reine Luft wirkt schädlich! Auch benötigt er in regelmäßigen Abständen andere Substanzen um die Prüderie heutiger Tage zu verdrängen. Es ist nicht selten, dass er auf diese Weise Kontakt zu den höchsten Wesen aufnimmt und so die Zukunft aufs genaueste vorhersieht (z.B. baldige Ersetzung der Demokratie durch den allmächtigen Würfel) bzw. absolut durchdachte und praktikable Weltordnungssysteme entwickelt. Also vergesst 9Live oder diese Tuse mit den Wurzeln, ihr habt ab sofort eure grossstadtsurvivor.

Ein grossstadtsurvivor tritt in der Regel zu zweit auf. Evolutionstechnisch hat sich gezeigt, dass er einzeln nicht sehr lange lebensfähig wäre. Ob es nun daran liegt, dass so der eine dem anderen immer die Drogen wegfrisst (halbe Portion = doppelte Überlebenschance) oder wenigstens einer schreien kann wenn der andere nicht mehr dazu fähig ist, ist bis heute noch nicht geklärt. Sicher scheint nur, dass es alleine nicht geht. Das gleiche gilt für Dörfer und Kleinstädte! Wird ein grossstadtsurvivor in eine Stadt mit weniger als drei Millionen Einwohnern, also eine Kleinstadt, verpflanzt, geht er zwangsläufig ein! Und das ist auch nachvollziehbar! So sind in Deutschland 100% aller Kleinstädte nicht Hauptstadt. 98% aller Traktoren haben bäuerliche Besitzer. 96% aller Ellenbogen, die aus tiefergelegten Kleinwagen lehnen, lehnen in der Kleinstadt. 140 gute Technopartys finden in Deutschland pro Jahr statt, davon sind drei auf dem Land und null in der Kleinstadt. Das kann ein grossstadtsurvivor auf Dauer nicht ertragen. Ein grossstadtsurvivor braucht den Dschungel europäischer Spitzenmetropolen (spitze zumindest was Arbeitslosigkeit und Drogenkonsum angeht) – und er wird euch lehren wie man darin überlebt. Seien es die Ghettos der Gewaltverbrecher (Neukölln), sich zu Tode sparender Schwaben (Friedrichshain) oder militanter Eltern, die bereit sind jeden auf dem Gehsteig befindlichen Passanten mit ihrem Kinderwagen umzumöllern (Prenzlauer-Berg) - die grossstadtsurvivor sind allen Wassern gewachsen.

surviven
Was die grossstadtsurvivor am besten können ist surviven. Für Fremdspracheninteressierte: überleben, bestehen oder sich halten. Und wir meinen hier nicht nur so banale Dinge wie drogenlos auf einer Party/Kleinstadt zu stranden. Nein, auch Probleme wie der Sommer und der damit einhergehende gesellschaftliche Druck das Haus, und somit die Bong, verlassen zu müssen, werden gelöst. Ganz zu schweigen von Familienfeiern. Ein Beispiel gefällig? Die interaktive Weihnachtsgans. Eine lebendige Gans plus Löffel zum Verzehr sorgt für Heiterkeit am Gabentisch. Ihr seht schon, eure grosstadtsurvivor surviven in schwerster Mission. Aber nicht nur wenn der Alltag Hürden baut sind deine Helden an deiner Seite. Auch die regelmäßigen Typen-Tests helfen dir dein Leben zu meistern. Bist du eher so der olle Hippe, der Pillenfresser oder Autotuner? Antworten, ohne die du nicht überleben kannst.

Konstruktiver Terrorismus (KT)
Der Weg ist das Ziel. Und der Weg der grossstadtsurvivor ist der konstruktive Terrorismus. (Nicht verwechseln mit kreativem Terrorismus - Flugzeuge ins WTC fliegen zu lassen ist zwar kreativ, aber nicht sehr konstruktiv). Konstruktiver Terrorismus erschüttert des Weltbild der Opfer und zwingt sie zu objektiver Betrachtung des Weltgeschehens. KT will nicht zerstören, sonder erschaffen und dadurch Unruhe erzeugen. Die Deklarierung öffentlicher Flächen als „Zutritt nur für Bekiffte“ und die feiernde Belagerung von Fernsehturm, Potsdamer Platz, Verteidigungsministerium und Reichstag waren ersten Attentate eurer grossstadtsurvivor. Die gentechnische Herstellung von Schlümpfen die nicht aufhören können zu lachen und bissiger gelber Kükenhaie wird auch in Zukunft gewohnte Weltbilder verrücken.

Protext
Schreibende Revolution: Wort und Symbol. Die zwei mächtigsten Waffen im Kampf für das Gute, gegen Hippies, Gitarren und ungewaschene Füße. Schon längst hätten wir die Weltherrschaft erschrieben, wenn wir nicht ständig das Speichern vergessen würden.

Nüchternheit
grossstadtsurvivor (=feierwütige Vollbluthedonisten) sind der natürliche Feind der Nüchternheit. Sie stabilisieren das ökologische Gleichgewicht und verhindern eine unkontrollierte Ausbreitung dieser Seuche. Nüchternheit wird oft verharmlost. Es scheint völlig normal, sich nüchtern im Alltag zu bewegen. Kaum eine Familienfeier ohne einen sturznüchternen Angehörigen. Gerade Jugendliche verfallen zusehends diesem Trend – es wird hip! Bands, Vereine und fundamentalchristliche Splittergruppen befördern den Verfall unserer Jugend durch Verbreitung ihrer durchtriebenen Ideologie. Ein guter Mensch sei ein produktiver Mensch. Und: Ein Nüchterner sei produktiver. Ein Teufelskreis!

Oft werden dabei zentrale Gefahren des so oft verharmlosend „normal“ genannten Zustandes übersehen. Bereits einmaliges Ausprobieren kann zu lebenslanger Fortsetzung führen. Kaum ein Autounfall geht ohne Beteiligung nüchterner Fahrer vonstatten. Die meisten Kampfhundangriffe werden von nüchternen Kampfhunden verübt. Nüchterne versuchen dabei stets ihren eigenen langweiligen und farblosen Zustand zu legitimieren, indem sie weitere Menschen zur Nüchternheit drängen. So wird Nüchternheit zur sich selbst ausbreitenden Seuche. Ohne natürlichen Gegenspieler würde sich ihr Machtbereich bald auf die ganze Menschheit erstrecken.

Gut, dass es die grossstadtsurvivor gibt! Als erklärte Erzfeinde der Nüchternheit und ihrer Marionetten (Stoiber, Bush, der Papst) entwickelten sie Therapien, Betreuungs- und Ausstiegsmöglichkeiten. Auch für harte Fälle langjähriger Nüchternheit geeignet - zur Not unter Einsatz von Gewalt.

Kern der gss-Entnüchterungsstrategie ist die Entwicklung einer grandiosen, farbenprächtigen Produktpalette. Herausstechend: die neuartige Wirkstoffkombination „Dichtsein“, auch erhältlich als „Dichtsein premium“, „Dichtsein senior“ und der „Dichtsein Wundertüte“ für die ganz Kleinen. Für alle, die juristische Graubereiche scheuen, gibt es Dr. Schnetkers Wurstbowle. Die Zubereitung ist ganz einfach: Würstchen entfernen. 1:1 mit Franzbranntwein mischen. Exen.
Mischkonsum? Nichts lieber als das: Der „Zack-Back“ mischt Lieblingssubstanzen direkt in die Atemluft. Für einen kleine Aufpreis gibt es dazu eine ausfahrbare Fahne für den Fall von Bezugsgruppenverlust.

grossstadtsurvivor kämpfen nicht allein! Unterstützt werden sie im Kampf gegen die Nüchternheit vom kleinen Joint (weitere Farbenprächtige Abenteuer des kleine Joints sind in Arbeit), den Teletubbies und natürlich:

Fixology
Auch die Fixologische Kirche hat sich, die Befreiung der Welt von der Geisel Nüchternheit zum Ziel gesetzt. Spätestens zum Zeitpunkt des Todes bestehende Dichtheit erlaubt den Eintritt ins BallaBalla, ins fixologische Paradies, alle vorhergehenden Räusche werden im Sinne von Karmapunkten im BallaBalla in besonders attraktiven Farbwirbeln wieder ausgezahlt. Gott, Führer und Weltenlenker ist der allmächtige Gummierpel Heiner (der zweite – Heiner der Erste ist leider im Rahmen der G8 Proteste entlaufen. (Ja, ok, wir haben ihn verloren, zufrieden?)) Die Welt ist dabei als gelber Gummistiefel zu betrachten. Zur Durchsetzung ihrer Ziele beschäftigt die Fixologische Kirche Selbstmordqualmbomber und Kamikazespritzer (auch zu Betriebsfeiern und ähnlichem buchbar).

Auch du kannst ohne Probleme dieser ausbeuterischen Sekte … äh tollen Kirche wollten wir sagen, beitreten! Beitrittsgesuche werden ganz simpel durch Überweisung eurer gesamten Habe auf das Konto von Fixology vollzogen.

Weltherrschaft
grossstadtsurvivor sind bescheiden. Ihr einziger Wunsch: die Weltherrschaft. Wenn die grossstadtsurvivor ein Problem erkennen, lösen sie es. Das beginnt im Kleinen, wie es die Erfindungen für Festivals, das Dixidusch, E-fresh - die Zahnputzpille (einmal geschluckt, Stundenlang Glück und frischer Atem) oder Sogutwiesauber – die Sprühdose mit Hautfarbe, eindeutig zeigen. Doch auch im Großen retten die grossstadtsurvivor immer wieder die Welt. So überfluten sie Länder mit GHB um von dort die Globalisierung einzudämmen, genauso gut senken sie den Meeresspiegel, indem sie mit Kühlschränken das Eis in den Polarzonen wieder nachgefrieren lassen (alles nur zur Rettung Hollands).
Ja, die Welt ist in Bewegung, vielen geht es schlecht und noch viel mehr sind unzufrieden. Wie gut, dass es da die grossstadtsurvivor gibt, die mit Spaß, Drogen und Musik – meist nur Drogen – diese Welt auf Hedonismus, Dekonstruktion und ihre Bedürfnisse abrichten.
Der Sturz des bestehenden Systems ist ganz einfach. Alle auf einmal krankfeiern und die Zivilisation ist so gut wie erledigt. Deshalb: Veranstaltet Partys! Nehmt und teilt Drogen! Zwingt das System durch eure Abwesenheit in die Knie. Wir stehen bereit die Weltherrschaft zu euer aller Bestem zu übernehmen. Auch gut zur Beförderung unseres Ziels: Umverteilung. Seien es Agrarreformen oder der Tausch von Feuerzeugen: Hauptsache es kommt wieder bisschen Leben in die Bude.
Aber es muss nicht immer der Kampf gegen das System sein. Im grossstadtsurvivor-Labor wird derzeit an einem Konzept namens „globale Harmonie“ getüftelt. Ist es nicht theoretisch möglich, dass wir alle in Frieden miteinander leben? Experiment Nummer eins zur friedlichen Coexistenz von Kaninchen und Tigerhaien in einem Aquarium scheiterte bisher an der Schwimmfähigkeit der Kaninchen, wird nun an Land fortgesetzt. Experiment Nummer zwei, die vegane Haltung entführter Spitzenpolitiker scheiterte an der Weigerung sich „die Akten einzuverleiben“. Fazit bisher: Eine friedliche Welt ist nur ohne Haie, Kaninchen und Politiker möglich.

Wachturm der Demokratie
grossstadtsurvivor. Die letzte Bastion der Vernunft in einer Welt voll Wahn und Anpassung. Und so werden eure grossstadtsurvivor in Zukunft für euch da sein: Mit einem wachen und einem bekifften Auge das Weltgeschehen im Blick. Immer bereit zuzuschlagen sollte sich irgendwo eine Verfehlung oder gar eine Chance auf die Weltherrschaft bemerkbar machen. Vor allem im Blick: Der Feind, die Nüchternheit. Seine mächtigsten Verteidiger in Deutschland derzeit: Das Bundesgesundheitsministerium unter Leitung der kräuterfreien Hexe Ulla Schmidt und ihrer willigen Vollstreckerin, der legendären Marion Caspers-Merck. Neues Wappentier des Ministeriums wird: Die zaghafte Schnecke (Bleibt lieber gleich im Haus). Die grossstadtsurvivor empfehlen: Statt weiter um den Brei zu reden lieber gleich Einläufe machen lassen. Kommt das selbe bei raus. Ihr könnt also sicher sein wir werden die Arbeit des Ministeriums kritisch überwachen und noch kritischer sein wenn mal wieder nicht oder zu wenig gearbeitet wird. Aber auch sonst wird die welt- (und vor allem drogen-)politische Bühne nicht von unseren giftigen Bissen verschont bleiben.

Eure grossstadtsurvivor(.de)

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