Terrourismus

Es ist Samstag Nacht, kurz vor der besten Weggehzeit. Das Telefon klingelt. Ein hilfloser, ängstlicher und fast schon bedauernswerter Chefredakteur meldet sich auf der Leitung, die für absolute Notfälle reserviert ist: Das rote Telefon des „Hanf Journal“. Und glaubt es oder auch nicht, aber die Herren Redakteure hatten tatsächlich etwas verloren. Einfach so, war einfach weg. Und nun ratet mal was es war! Da spricht man die ganze Zeit von deutscher Gründlichkeit und dann so etwas. Kommt ja wirklich nicht oft vor, oder? Ach so, was, genau, das war ja die Frage. Also man höre und staune: Es wird tatsächlich die „Hanf Journal“-Korrespondentin für Österreich vermisst. Einfach weg, nicht zu erreichen. Was nun? Leere Seiten drucken? Nein, um sinnlos Platz zu füllen gibt es im „Hanf Journal“ nur eine Möglichkeit! Die grossstadsurvivor müssen mal wieder ran.

 

Und da wir schon bei deutscher Gründlichkeit waren – die Korrespondentin wurde übrigens in Österreich verloren, nur um das klarzustellen – bleiben wir doch gleich mal ein bisschen bei Vorurteilen. Man mag es als Deutscher gar nicht glauben, aber es gibt tatsächlich Menschen im Ausland, die Vorurteile gegenüber uns Deutschen haben. Die mögen uns vielleicht sogar nicht. Und dabei sind wir doch so ein sympathisches Völkchen – wir reisen halt einfach nur gerne, nach Österreich, Ungarn, Polen, Russland und die ganze Welt (wenn man uns lässt). Und da dachten wir uns, wenn wir schon mal ein internationales Publikum haben (oh sind wir gut), räumen wir nun endgültig mit all diesen erbärmlichen Lügen auf.

 

Fangen wir doch gleich mal mit dem für uns wohl am wenigsten nachvollziehbaren an. Da behaupten immer wieder Leute: Deutsche sind ordentlich! Von wegen ordentlich. Nur weil bei uns jeder jeden Samstag sein Auto putzt ist das ja noch lange nicht ordentlich. Nein, ihr habt wohl noch nie „Karate Kid“ 1 bis 110 gesehen, wir halten uns in Form um unsere Grenzen vor den unordentlichen Österreichern zu schützen. Und nun zeigen wir euch mal was absolut nicht ordentlich ist: „Also passt mal gut auf, wenn ihr nun zum Beispiel einmal Guckt euch mal unsere Redaktion an!“ Genau, das ist nicht ordentlich, genauso wenig wie unser Bürokratennetz nicht ordentlich ist. Ok, ok, wir haben es mit Scheinen. Wenn du ins Amt kommst musste erst mal einen roten Wisch und die drei Begleitzettel in grün, gelb und orange ausfüllen. Den ersten Beleg (grün) bekommt dann der Pförtner der dich mit den entsprechenden fünf Zetteln (wir ersparen uns nun einmal die Farben) ins unpassende Zimmer schickt, welche dich wieder per Überweisungsschein ins richtige Überweisungszimmer zur Zustellung ins fast richtige Büro zur Abgabe des ersten Wisch (erinnern, war rot) zu senden. Gut das geht nun so weiter, hoch runter, rüber rauf und hin und her, mit tausend verschiedenen Geschwindigkeitsbegrenzungen wie auf der Autobahn. Tja und nun interpretiert ihr dieses Zetteltragen als Ordnung. Nein das dient in Wahrheit der Volksgesundheit. So einfach stellt man sicher, dass jeder Bürger in regelmäßigen Abständen mal wieder durch ein Haus/Siedlung/Stadt gescheucht wird.

 

Da wir ja nun eindeutigst bewiesen hätten, das Deutsche nicht ordentlich sind, widmen wir uns der nächsten unhaltbaren These: Die Deutschen sind pünktlich! Die Deutschen im Allgemeinen sind nicht pünktlich. Nein, schließlich haben auch wir Studenten. Und den Janosch*. Der Janosch ist nie pünktlich. Echt wahr. Ich wart mir hier einen ab. Und da sprecht ihr von Pünktlichkeit.

 

Und gleich noch das nächste Vorurteil: Die Deutschen sind ständig besoffen. Stimmt auch nicht! Also wir zum Beispiel trinken so gut wie keinen Alkohol. Außer am Wochenende. Und wenn jemand Geburtstag hat. Oder an Weihnachten, Sylvester und sämtlichen Festivals. Oder wenn einer einen ausgibt, oder . . . Ok. Ihr habt gewonnen. Is aber auch echt ein fieses Vorurteil, wie sollen wir uns dagegen wehren, wenn auch immer diese Bayern zu Deutschland gehören?

 

Und zuletzt wollen wir uns noch einem bösen, hinterhältigen Vorwurf erwehren: Die Deutschen sind humorlos! Von wegen. Wir sind das wahrscheinlich lustigste Völkchen unterm Himmel. Guckt euch . . . äh . . . guckt euch nur mal . . . äh guckt doch was ihr wollt. Äh ja ich habs! Guckt euch nur die Merkel an. Das ist die wahrscheinlich witzigste politische Gesichtslandschaft Europas. Oder glaubt ihr, euer Schüssel ist witzig? Wir Deutschen sehn nicht nur urkomisch aus, wir sind einfach superwitzig in unserer herzlichen und humorvollen Art. Ihr wollt ne Kostprobe? Ok. Also, da geht, äh da geht, äh scheiße, wie hieß der noch gleich? Nennen wir ihn Arnie. Also Arnie und sein Opa die gehen irgendwo in Hintertraubing an der Landstraße entlang. Und – plubs – liegt da was rum. Und was macht Arnie, hä? Der hebt’s einfach auf. Worauf Opa ihn belehrt: „Lass liegen! Was auf dem Boden liegt hebt man nicht auf“. Und – plubsplubs – kommt da noch ma was und der Opa sagt das Gleiche, und irgendwann fällt der Opa um, und dann, dann sagt er: „Heb mal hoch.“ Und Arnie spricht: „Ne, was auf dem Boden liegt darf man nicht aufheben.“ So, ein grandioses Meisterwerk deutscher Witzeerzählkultur.

 

Da es ja nun definitiv keine Vorurteile mehr in ganz Österreich geben wird, kommen wir zum Service-Teil unserer kleinen Survivor-Odyssee. Ja auch für euch Survivor-Tipps in Notsituationen. Denn Vorurteile können nicht nur Schlechtes bringen. Wir, ja und nur wir, wissen wie man Vorurteile mit viel Spaß und voller Tatendrang zu seinem persönlichen Glücksempfinden verwandeln kann. Daher nun unser spektakuläres und einfach nachvollziehbares Imitationsprogramm deutschen Verhaltens im Ausland. Sehr hilfreich wenn man unangenehme Tätigkeiten durchführen will, wie z. B. wenig Trinkgeld geben, sich in der Öffentlichkeit erleichtern oder Waffen an Dritte-Welt-Länder verkaufen.

Das Aussehen – Der typische Deutsche trägt Hawaiihemd, ultrakurze Shorts (die Hot Pants übergewichtiger Männer) und Badelatschen. So gewappnet könnt ihr sicher sein, dass ihr wenn schon nicht zu den Deutschen, zumindest doch zu irgendeiner anderen unerträglichen aber durchaus bemitleidenswerten Volksgruppe gezählt werdet (wie zum Beispiel den Engländern).

 

Das Essen – Umso lauter ihr beim Essen seid, desto authentischer kommt ihr als Deutsche und könnt nachher guten Gewissens die Zeche prellen. (Geht ja nur auf Kosten der Deutschen, die mag eh keiner!) Auch sind wir relativ stursinnig bei der Wahl unseres Essens. Ein Essen mit weniger als drei Komponenten zählt bei uns maximal als Frühstück. Und alles, was sich nicht Deutsch aussprechen lässt, wie der ganze Thai-Kram, hat eh schon verloren. Also, wenn ihr so richtig typisch Deutsch rüberkommen wollt, dann am besten immer Schweinsbraten bestellen, und wenn’s den nicht gibt, die Bedienung mit dem Argument zusammenscheißen, das sei doch ein deutsches Kulturgut (scheißegal in welchem Land man ist).

 

Die Sprache – Der typische Deutsche ist laut as laut as possible. Ohne jegliches Schamgefühl darf er dann auch in vollster deutscher Lautstärke sinnloses Kauderwelsch in der jeweiligen Landessprache grölen. Besonders gegenüber Bedienungen in Restaurants ist dies ein äußerst authentisches Verhalten. Wir meinen das nicht unfreundlich. Wir gehen halt einfach mal davon aus, dass wir eine Sprache ab einem aktiven Wortstamm von drei Wörtern perfekt beherrschen. Aber die Dekodierung ist gar nicht so schwierig. Wenn wir Töne von uns geben, handelt es sich fast immer um den Wunsch nach Essen oder Bier, und wenn nicht, dann ist es wahrscheinlich sogar besser wenn man uns nicht versteht.

 

Nun, viel Spaß beim überleben als Deutsche und wir sehen uns dann auf Mallorca.

 

 

Eure Grossstadtsurvivor

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