Der Zonenführer

So einfach, wie wir uns das anfangs gedacht haben, ist das Überleben in der Grossstadt doch nicht. Da waren wir im ersten Teil noch fest davon überzeugt, dass Papers halb herausguckend aus der Hosentasche ein guter Tipp wäre, so mussten wir bei unserem ersten Einmarsch in Marzahn erfahren , dass dieser auch krass nach hinten losgehen kann. Kiffer = Alternativ = auf die Fresse (in Marzahn). Und selbst wenn diese Logik nicht funktioniert, gibt’s Aua - sie wollen euer Dope. Nun gut, als professionelle grossstadtsurvivor bekommen wir auch dieses Problem gebacken. Und zwar mit links. Und damit ihr nicht so verloren in der Grossstadtgeschichte herumlauft, sind wir durch Berlin getourt und haben für euch die Quintessenz aller Bezirke gesammelt.

 

Kreuzberg

Ein Teil der grossstadtsurvivor ist fest davon überzeugt, dass über Berlin, aus Kreuzberg gesteuert, die Dönermafia herrscht. Wie wäre es sonst zu erklären, dass die Dönerpreise mit steigendem Abstand zu Kreuzberg fallen. Der andere Teil glaubt fest an die Matratzenmafia, die durch ihre Überdichte an Läden schon ganz schön auffällig ist. Ansonsten ist Kreuzberg ein ganz normaler Stadtteil, wie jeder andere in Deutschland auch. Nur einige – sehr kleine – Besonderheiten, wie verändertes Liedgut (Internationale) oder leicht unübliche Sprechgesänge (No Justice, No Peace – Fight the Police).

Fürs Überleben in Kreuzberg haben wir nun die ultimativen spaßgarantierten und absolut eingetragenen Kreuzberg-Survivor-Tips für euch:

-Um sicher durch Kreuzberg zu kommen, ist vor allem der 1. Mai zu raten. Tausende von Polizisten schützen hier alle Besucher vor den Einheimischen! Und die Tausenden Einheimischen schützen dich – zur Not – auch vor der Polizei.

-Wer es noch sicherer haben will, stellt sich am besten mit einem NPD-Plakat zwischen die Fronten.

-Ach ja und bevor wir es vergessen, bekleidet mit einer Israelischen Flagge kann in Kreuzberg (fast) nix mehr schief gehen.

 

 

 

Mitte

Wer mal so richtig schräg angeguckt werden will, muss einfach nur ungestylt in Mitte auf die Straße gehen – meist reicht schon das Fehlen von ultraneuen, ultraschicken und ultraauffälligen Turnschuhen. So was machen nur die Touris. Wer dazu gehören will, muss sich so stylen, dass es ungestylt aussieht. Je bescheuerter das Outfit, desto hipper. Der absolute Renner ist Vokuhila mit Turnschläppchen. Aber wehe das Outfit sieht nach weniger als 300Euro aus. Schließlich ist Punk ja gerade hip.

Am einfachsten erkennt man die Anwesenheit in Berlin Mitte durch das übersteigerte Selbstbewusstsein – man ist ja schließlich Regierung oder so. Die meisten hier haben eh schon vergessen, dass hinter den Grenzen des Regierungsbezirkes auch noch ein kleiner Teil von Deutschland liegt (Restberlin!). Wie wäre es sonst zu erklären, dass hier die Regierung darüber streitet, wer wo in Mitte Fußballspielen darf.

Auch Mitte hat so seine Eigenarten, die man unbedingt für einen erfolgreichen Survivor-Trip kennen sollte. Hier die Mitte-Survivor-Tipps:


- Zur Vorbereitung auf eine steile Kariere sei jedem der Reichstag empfohlen. Dank mysteriöser Magnetfelder erlernt man Verlogenheit, Korruption und Intriganz im Nu.

- Das Brandenburger Tor zumauern – ein Spaß für die ganze Familie.

- Als Touristenführer verkleidet die Touris gegen Geld mit Lügengeschichten zumüllen. „Der Reichstag, der heißt so, weil sie den im Dritten Reich an nur einem Tag erbaut haben. Und das Brandenburger Tor war früher der Eingang zum Schloss vom Bundeskanzler, bis sie dann das Schloss dahinter abgerissen haben. Jetzt wohnt der Bundeskanzler oben in der Kuppel vom Alex.“

 

Prenzlauer Berg

Nach super hip bricht nun die Schicki-Micki-Front in diesen Bezirk ein. Angreifend über die Kastanienallee fallen Horden von Yuppies in den Prenzl`berg ein. Den Freaky People bleibt – dank ihrer meist doch pazifistischen Einstellung (ausgenommen Kontakte mit der Polizei) – nichts anderes übrig als Asyl in Kreuzberg zu suchen.

Die neu eingetauschte Bevölkerung des Prenzlauer Berges zeigt sich als Segen für jeden Baldrentner – nirgendwo werden so viele potenzielle Steuerzahler produziert wie hier. Nachdem die gescheiterte New Economy als Trendsportart vom Baby-booming abgelöst wurde, lässt der nächste Trendsport schon auf sich warten: Die-Kinder-wieder-loswerding.

Natürlich will auch Überleben in Prenzlauer Berg gelernt sein. Hier die ultimativen Prenzl`berg-Survivor-Tipps:

- Unablässlich ist in diesem Bezirk: die pseudo-alternative Kluft. Wer die trägt wird nicht länger alleine sein. Dutzende von Händlern werden aus den Läden geschossen kommen und dir die neusten Variationen von Anarchozeichen auf Unterhosen, Eiswürfeln und Nagelfeilen andrehen.

- Ein „Ich bremse nicht für Kinder“-Aufkleber auf dem Auto sorgt für massig Kontakte zu jungen hübschen Müttern. Nachteil: Meist schon vergeben und selten gut auf dich zu sprechen.

- Tut was Gutes für den Prenzl`berg: Verteilt Flugblätter, die das sofortige Verbot von Flip-Flops und Fliegerbrillen propagieren.

 

Friedrichshain

Schon seit Jahren will Friedrichshain der In-Bezirk von Berlin werden. Klappt nur blöderweise nie. Ist ja auch ne skurille Mischung. Die Yuppies vergraulen die Linken nach Kreuzberg und die Linken die Yuppies nach Prenzl`berg. Wohlfühlen können sich da nur die Teilzeitanarchoyuppies. Genau wie die elenden Studenten. Erst links antäuschen, um dann doch rechts auf der Kapitalistenspur vorbeizuziehen.
Diesmal ohne Einleitung, die Friedrichshain-Survivor-Tips:


- „Kreuzberg rules“ Aufkleber an jeder erdenklichen Ecke aufkleben – keine Angst, wenn du lebend wieder rauskommst bist du in X-berg ein Held.
- Mitgliederwerbung für die Gewerkschaften machen. Wer mehr als einen Arbeitenden findet, hat gewonnen (Kellnern, Dealen und Zeitungsdrückerei gilt nicht).
- Dank modernster Bodenbestreuung sollte bevorzugt barfuss gelaufen werden. Wärmende, heilsame und hautverträgliche Cremebobbel lassen jeden Marsch durch Friedrichshain zu einer Kur für die Füße werden.

 

Allen, die intelligenterweise sehen, das diese Kolumne sich stark dem Ende neigt und ja noch sooooooooooo viele Bezirke existieren, können wir mitteilen, dass wir nach langem Suchen tatsächlich festgestellt haben, dass sie existieren. Nun die restlichen Bezirke von Berlin:

Der Resten

Tatsache, sie waren nicht nur auf die Landkarte gemalt, sie waren wirklich da.

In der Sicherheit, dass diese Beschreibung aller Berliner Bezirke bald in alle Reiseführer eingehen wird, sind wir stolz euch schon vorab eine sichere Zeit in Berlin ermöglicht zu haben. Wir sind überzeugt: Some will survive!

 

 

Eure grossstadtsurvivor

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