Viva la Polizeistaat!

Es gibt viel zu wenig Polizei! Das hat sich sicher schon jeder einmal gedacht, oder? Wo man geht und steht, lauern die abartigsten Bösewichter. Wer hatte nicht schon mal Angst, in einer einsamen, dunklen, kleinen und leicht tröpfelnden Gasse auf einen total verpeilten Kiffer zu treffen. Der rennt einen am End’ noch um! Und wenn man so im Vollsuff is . . . is das ja auch nicht gut. Deshalb brauchen wir unbedingt mehr, größere, schnellere und genetisch verbesserte Bullen. Ja, voll ohne Scheiß, der Kampf, nein der Krieg gegen die Gefahr muss beginnen, es lebe der Polizeistaat! Es kann nicht angehen, dass die Menschenrechte über den Ansprüchen unseres Staates stehen.

 

Zuvorderst ist es wichtig, dass sämtliche Macht auf den einzelnen Bullen an sich verlagert wird. Der sucht sich ab sofort das Objekt seiner Verfolgung selber aus und kann es nicht nur verhaften, sondern auch gleich hinrichten. Seitens des Staates wird die Parole der „harten Willkür“ ausgerufen, der alleine sich alle Bullen an sich unterwerfen müssen. Das wirkt ganz schön abschreckend. Schließlich ist für alles der Tod drin. Für Falschparken genauso wie für Umweltverschmutzung – wer den falschen Bullen erwischt, muss dran glauben.

 

Um die „harte Willkür“ auch wirklich bis ins Mark der Gesellschaft durchzudrücken, werden alle Gerichte abgeschafft und die Kraft der Judikative den neuen Herrschern, den Polizisten übertragen. Das Bundesverfassungsgericht fliegt raus und wird durch ein Kolosseum ersetzt. Sollten die nun freischaffenden Polizisten es schaffen, Gauner zu erlegen, die noch feierlich im Kolosseum hingerichtet werden können, bedarf dies natürlich einer entsprechenden Prämie. So wird dann Polizist ein ziemlich lukrativer Job und alle Arbeitlosen werden Polizisten.

 

Die ideale Staatsbesetzung setzt sich aus 49 Prozent Bürger und 51 Prozent Staatsmacht zusammen. Das ist natürlich schwer zu halten, da der Anteil der Bürger aufgrund der vielen Hinrichtungen stetig sinkt. Was jedoch durch die stetigen sexuellen Übergriffe der Polizisten wieder ausgeglichen wird. So kommt dann ziemlich genau ein Polizist auf einen Bürger, wodurch es endlich möglich erscheint die Arbeiterklasse vollständig zu entkriminalisieren. Jippi.

 

Ein Polizist steht über dem nicht existierendem Gesetz. Was sehr praktisch ist, weil dadurch das Justizsystem massiv entlastet wird. Was ja auch schon durch deren Abschaffung unterstützt wurde. Das wird die perfekte Welt. Man weiß danach immer, woran man war. Wer sich plötzlich in Leibeigenschaft der oberen 10.000 wiederfindet, wird schon irgendwas verbrochen haben und hat dann wenigstens Zeit um drüber zu meditieren. Zumindest wenn er einen dummen Dienstherren bekommt. Ansonsten macht’s vielleicht nicht so viel Spaß, aber irgendjemand muss ja das System am Laufen halten.

 

Also nun aber nochmals zu den Basics. Die Polizisten müssen prinzipiell irgendwie größer, stärker und vielleicht auch haltbarer gemacht werden. Eine feuerfeste Hundertschaft wär’ auch nicht blöd und vielleicht kriegt man die sogar mit Vanillegeschmack und Vitaminen hin. Mit Gentechnik ist alles möglich. Außerdem brauchen die unbedingt stärkere Waffen und krassere Autos. Am besten Panzer. Bei den Demonstranten heutzutage! High Tech über alles! Schließlich müssen nur die Menschen gejagt werden, die entweder richtig Kohle oder gut Einschaltquote bringen. Und spektakuläre Einschaltquoten kriegt man natürlich am besten mit spektakulären Verfolgungsjagden. Wer sieht nicht gerne drei müde, lahme Kiffer hysterisch und voller Eifer ins Kreuzfeuer von drei zentral computergesteuerten Techno-Polizei-Hybriden rennen. Das gibt Quote!

 

Die bewährte Methode, den Polizisten das Herz zu amputieren, wird übrigens beibehalten. Jeder Polizist wird außerdem zukünftig einem zentralen Computer unterworfen, der neben den Leitsätzen der „harten Willkür“ nur seinen Bewachern folgt. Uns.

 

In grossstadtsurvivor we trust

 

Die nicht existierenden Gesetze

- die’s aber dennoch gibt –

 

Im Zuge einer unserer weiteren Revolutionen lässt es sich nicht weiter vermeiden die Menschenrechte einem sinnvollen Polizeistaat anzupassen. Wir sind sehr zufrieden:

 

1:Die Äußerung der eigenen Meinung wird staatsrechtlich untersagt. Sollten Lehren fernab des Polizeistaats verbreitet werden, wird dies als Anstiftung zum Gedankenverbrechen geahndet.

2. Ein ordentliches Gericht wird durch einen Polizisten widergespiegelt. Verteidigung und Staatsanwaltschaft sowie das Richteramt können zwar auf einen Polizisten entfallen, müssen aber von diesem in unterschiedlichen Stimmlagen wiedergegeben werden. Außerdem hat er seine Gestik von Amt zu Amt zu ändern.

3. Der bisher propagierte Schutz der Privatsphäre wird adäquat durch eine Polizei-Bürger-Symbiose ersetzt. Diese sollte in eheähnlicher Form ausgeführt werden. Sexuelle Vorlieben sind dabei zu berücksichtigen.

4. Minderheiten werden per se als solche erkannt und bekämpft

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