Berlins Schnidelwutz

Ode an den Fernsehturm

Was macht Berlin so einzigartig? Die vielen Einwohner? Nein, da haben andere Städte viel mehr. Die geilen Partys? Nein, das geht woanders auch wilder. Die vielen Touris? Ha ha ha. Nein, es ist die Form!

Berlin ist so flach wie keine andere Großstadt der Welt – ein an den Rändern zerrupfter Fleck in der Prärie, fast wie hingekotzt, wäre da nicht Berlins ewige Erektion – der Fernsehturm. Egal, woher du bist und egal, wohin du willst, der Fernsehturm ist der Wegweiser jedes Berlinreisenden. Er steht dir zur Seite, er steht hinter dir, wie eine Eins! Wäre der Fernsehturm nicht, wüsste man nie, wo die Mitte Berlins liegt. Wer sich also so richtig verfranst hat, hat quasi nur eine effektive Alternative: Erstmal Richtung Alex. Das gilt natürlich vor allem für Ortsunkundige, sprich Touris. Und wenn wir mal Ruhe vor denen brauchen, sollten wir ihn einfach irgendwo nach Spandau verfrachten, die hätten ja auch mal einen Touri verdient!

Nach so manch durchzechter Partynacht waren wir immer wieder froh. den Leuchtturm Berlins zu erspähen, denn schließlich war das immer wieder ein sicheres Zeichen, dass wir immer noch in Berlin sind. Das kann schon enorm beruhigen. Es gab sogar schon Fälle, da musste man kurz raus aus dem Club, um nochmals auf Nummer Sicher zu gehen.

Der Alex oder zumindest seine Spitze ist ein Bild, das sich wohl schon in jedes Gehirn eingebrannt hat, kein anderes Panorama sieht man so oft. Und schließlich ist es ja neben dem Feuerwerk an Silvester der einzige wirkliche Grund auch mal in den Himmel zu gucken.

Sehr praktisch ist der Alex auch für die Ich-kenn-mich-aus-in-Berlin-Macker-Tour, denn schließlich ist es für jeden Pseudo-Stadtführer kein Problem mit der exakten Höhe des Fernsehturms zu protzen. Genau so viele Meter wie das Jahr Tage hat, also 365 Meter, ist dieser Turm hoch. Nur dieses Jahr ist er einen zu kurz. Da haben wohl die Herren aus der DDR nicht ganz richtig gerechnet, oder gab’s da keine Schaltjahre? Wir würden deshalb für eine fahrbare unterirdische Plattform plädieren, die je nach Schalt- bzw. Nichtschaltjahr einen Meter nach oben bzw. auf Grund gesetzt werden kann.

Der Fernsehturm ist unumstritten das Wahrzeichen von Berlin. Andere Meinungen werden hierbei weder toleriert noch geduldet. Und sollte es jemals so weit kommen, dass wir ein weiteres Kleinzeichen neben dem Alex und dem Unterwahrzeichen Siegessäule benötigen, könnte man ja für ein paar Tage beide in einer ruhigen Ecke einbetten und hoffen, dass deren Paarung ein drittes Türmchen hervorbringt.

Zwar versuchen viele Städte selbst einen Fernsehturm aufzubauen – zur Schande ihrer betiteln sie diese komischen Stängel in der Landschaft dann sogar noch so – aber so richtig gelungen ist es ihnen noch nie. Es gibt eben nur einen wahren Fernsehturm und der steht in Berlin-Mitte. Er sieht von nah so putzig klein und von weiten so riesig groß aus, leitet uns den Weg durch verschobene Tage, fiel auf manchen Trip auch schon mal um, bringt die Stadt in runde Bahnen und hat bei Nebel einen Kranz wie die heilige Jungfrau Maria.

Das Schlimmste am Fernsehturm ist definitiv, dass wir wenn dann nur unter und noch niemals auf ihm eine wilde Party erlebt haben – aber das kann ja auch noch kommen (solange Al Quaida nicht auf dumme Ideen kommt – lasst den Alex stehen sonst wird’s persönlich).

Und wenn dann irgendwann wirklich mal die Pole schmelzen, wissen wir schon, von wo wir uns das Schauspiel angucken.

Wir steigen auf!

Eure grossstadtsurvivor

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)

About the Author

der_eine_held

Leave a Reply

You can use these XHTML tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>