Und schuld sind nur die Russen!

Hanf Journal-Partytest: Die grossstadtsurvivor auf der Fusion

Es war einmal ein kleines Stück Erde im mecklenburg-vorpommerschen Hinterland. Dort wohnten die Einwohner mehrerer kleiner Dörfer glücklich und bescheiden, bis eines Tages die Russen kamen. Diese kommunistischen Gesellen mochten gerade dieses Gebiet besonders gerne, weshalb sie runde Hänge bauten und mit Atomraketen dieses besagte Stück Erde schützten. Doch das wurde den Russen irgendwann zu blöd. Deshalb sind sie wieder gegangen, haben aber freundlicherweise die Hangars, das Stückchen Erde und den Kommunismus dagelassen. Das freute die Post-Hippies sehr, die einige Jahre später dieses nette Stückchen Land für sich beanspruchten. Dass es etwas Mystisches in sich hatte, merkten sie sofort und sie blickten in die Zukunft und sahen staubige Tanzflächen und johlende Menschen.

Heute gehört ihnen dieses Stückchen Land und keiner der Anwohner, die beim Anblick der alljährlich anrückenden Freaks gerne mal etwas erschreckt aussehen, kann mehr etwas gegen dessen viertägige Besetzung unternehmen. Was dieses Land nun ist? Nun, hier streiten sich die Geister. Die einen behaupten inständig, es wäre eine neue Galaxie. Astronauten würden mit einer überdimensionalen Rakete ins All starten. Doch auch andere Gerüchte, es wäre ein kleines gallisches Dorf oder es sei wirklich das Auenland, halten sich inständig. Nach eingehender Untersuchung konnten wir jedoch feststellen, dass wir es auch nicht wissen.

Dieses Land ist bevölkert von merkwürdigen Gestalten: Zwerge und Riesen, Engel und Teufel, Drachen und Ritter und natürlich Freaks, noch krasseren Freaks und grossstadsurvivorn. Die Bewohner dieses Landes wohnen in kleinen knubbelförmigen Gebilden, die sich mit Eisennägeln im Boden festkrallen. Bis zum Horizont erstrecken sich diese Wohnblasen. Manche Bewohner schlafen auch in ihren Autos und Bussen und manche schlafen einfach überhaupt nicht. Um dies zu schaffen, trinken sie so viel Kaffee, dass man fast denken könnte, sie hätten Drogen konsumiert. Doch wieder zurück zum Schlafen. Die Knubbel, in denen sie wohnen, sind nicht wirklich groß, die Betten darin nicht so bequem und hin und wieder kommt auch der Regen durch die Decke. Doch das nennen diese Wesen, dann einfach nur „naturverbunden“ und freuen sich tierisch drüber, in einer Plastiktüte zu schlafen. Spätestens am vierten Tag ihres nur vier Tage langen Lebens (danach bemächtigt sich wieder ein unheimlich spießiger Geist ihrer Körper und zwingt sie dazu, fünf Tage die Woche einer geregelten Beschäftigung nachzugehen) stinken diese Wesen unheimlich stark nach einer Mischung aus allem, was verwesen kann.

Aber das macht ihnen selbst nichts aus. Ihr Geruchssinn ist, ebenso wie der Sehsinn und das Gehör, extrem unempfindlich. Deshalb sind überall auf dem Gelände schwarze Türme aufgebaut, die unaufhörlich mächtige Basswellen über das Gelände schicken und den nebelsichtigen Bewohnern damit eine gewisse Orientierung ermöglichen. Prinzipiell scheinen diese Wesen eher auf auditive Signale zu reagieren als auf optische. So kann es oft vorkommen, dass zwei Wesen zwei Stunden nebeneinander stehen und sich nicht bemerken. Geleitet von den durchdringenden Bassweisern, wuseln diese Geschöpfe, die auch von manchen als Vier-Tages-Tanzer (für alle die den Witz nicht kapiert haben: Ein-Tags-Fliege) bezeichnet werden, durch das ganze Stück Erde, hopsen dabei, manche springen sogar - aber wieso?

Na, es müssen wohl die übersphärischen Gutelaune-Wellen sein, die überall wie feine Nebelfäden über dem Gelände hängen. Zahlreiche Gutelaune-Eell-Empfänger sind unterwegs und offerieren ihre Beute überall, sodass niemand leer ausgehen muss. Aber es mag auch einfach die Atmosphäre sein. Denn im Auenland ist alles möglich und alles erlaubt. Es gibt nur die allernötigsten Regeln. Quasi wie im Paradies (übrigens: Dass das Paradies auf Dauer nicht funktionieren würde, merkt man spätestens am dritten Tag an den zugekackten Gehwegen). Doch ein Jahr haben nun kleine Elfen Zeit, die Kacke wegzuräumen und sich wieder viele kleine, filmige und wunderliche Dinge auszudenken. So mag zwar der eine den Lichterwald vermisst haben oder auch vom Freakfrachter enttäuscht gewesen sein, so freute sich der andere über den neuen Feuerring, den Zauberwald oder die vielen Monde des Stückchens Erde. Einige freuten sich auch einfach über sich selbst. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

Verwirrend war dieses Land - wir können gar nicht sagen wie. Denn als eclipse das E wieder fand, war es tatsächlich nur noch ein Buchstabe. Sehr oft kam es auch vor, das einen der Erinnerungssauger, der hoch auf einem Hangar thronte, mit seinem Laserstrahl erwischte und sämtliche Erinnerungen der letzten fünf Stunden auslöschte. Auch Menschen, die eine halbe Stunde lang nur drei Schritte nach rechts und nach links gingen, machten uns nicht gerade schlauer.

Und viel zu schnell vorbei war’s natürlich wieder (woran vermutlich auch der Erinnerungssauger nicht ganz unschuldig war). Das schmeckt uns natürlich gar nicht. Aber wies ja so schön heißt: Nach der Fusion ist vor der Fusion.

Ach ja, eines noch: Eigentlich durftet ihr das hier ja gar nicht lesen. Hochoffiziell wurde das Hanf Journal im Vorfeld des wahrscheinlich schönsten Festivals der Welt gebeten, von Berichterstattung abzusehen. Und tatsächlich: Wir waren brav. Unsere Leserschaft hatte keine Ahnung, dass es so was wie die Fusion überhaupt gibt. Anders als die der Raveline. Deren Hype bescherte uns vielleicht auch die ganzen Prolls und Raver. Aber wahrscheinlich haben das auch nur die Russen eingefädelt!

Eure grossstadtsurvivor

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)

About the Author

der_eine_held

Leave a Reply

You can use these XHTML tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>