Schmutzig, dicht und ohne Hose

 

Wieder nichts dazugelernt … z.B. wie man ein Festival in Würde übersteht

festival

Der Festivalsommer ist vorbei - und hinterlässt verbrannte Erde. Von Wiesen bleibt nur Matsch, da wo einst Wäldchen standen, stehen jetzt stinkende Kottürme und einst rhetorisch begabte Leistungsträger unserer Gesellschaft sind nun krächzende Invaliden. Damit ihr nächstes Jahr nicht wieder ohne Hose hinter der Dixiezeile aufwacht, haben Deutschlands kompetenteste Festivalexperten, also wir, in einem komplizierten Verfahren arrangiert uns doch etwas zu merken und daraus etwas zu lernen (?) - also fürs nächste mal. Hier nun die Essenz zum ausschneiden und einnehmen:

 

Ein Festival erkennt man an seinen Besuchern. Die sind typischerweise schmutzig und desorientiert. Damit unterscheiden sie sich vom gemeinen Politiker (nur desorientiert) und einer Mülltonne (nur schmutzig). Deshalb sind sowohl Geruchssinn, als auch Sehsinn und Gehör des typischen Festivalbesuchers zur eigenen Sicherheit stark eingeschränkt. Um die Herde dennoch zusammenzuhalten schicken riesige schwarze Türme permament Basswellen über das Gelände an denen sich die Verkrusteten orientieren können. Man sieht, ein Festival ist gefährlicher als Gargamel, Godzilla und George W. Bush zusammen. Drei Wochen vorher nicht duschen schützt zumindest vor Sex und Mücken. Dazu empfiehlt sich ein Schliessmuskeltraining gegen überbelastete Dixietoiletten. Solltest du ein Festival wählen, auf dem “Bands” auftreten (das sind diese Langhaarigen mit Gitarren), vergiss nicht ausreichend Schutz einzupacken (Gehörschutz, Kondome, Benzin und leere Bierflaschen). Vorher einen “Festivalplaner” zu organisieren um ausschliesslich bevorzugte “Bands” zu betrachten, lohnt nicht, da man sich hinterher eh an nichts erinnert. Denn die meisten Festivals arbeiten mit Erinnerungslöschkanonen um zu simulieren man habe Spass gehabt. Aus diesem Grund solltet ihr noch vor Fahrtantritt eure sämtlichen Wertsachen und Passwörter an uns schicken.

 

Eigentlich sind Festivals zwar eine tolle Sache. Alles ist erlaubt, wie im Paradies, es gibt nur die allernötigsten Regeln. Doch dass das Paradies nicht funktionieren würde, merkt man spätestens am dritten Tag an den zugekackten Gehwegen. Bevors losgeht solltet ihr euch deshalb nochmal gründlich überlegen ob ein bisschen Spass in Zeiten von Terrorgefahr, Ozonloch und Heuschnupfen wirklich Grund genug ist das Haus zu verlassen. Solltet ihr es trotzdem nicht lassen können beachtet bitte folgende Hinweise:

 

Trip
Um in B feiern zu können muss man erstmal von A da hinkommen. Wer schon zu desorientiert ist um den Weg zu finden, fragt einfach die Polizei. Sollte die auch nicht weiterwissen, stellt man sich einfach nackt an die Autobahn. Für den Heimweg empfiehlt sich Kriechen.

 

Bändchen
Um klarzustellen, dass wir schon seit 97 nichts Besseres zu tun haben, als auf diesem beschissenen Festival rumzuhängen, tragen wir natürlich alle unsere Bändchen wie Orden. Dabei solltet ihr nicht davor zurückschrecken jedem unaufgefordert eure Bänchensammlung zu präsentieren. Wie sollte er sonst merken, wie cool du bist. Beinahe so cool wie Wolle Petry!

 

Unterkunft
Auf Festivals wird aus Prinzip nicht geschlafen. Man wird höchstens ohnmächtig. Damit ihr aus diesem Zustand nicht wie alle Anderen bemalt und missbraucht wieder aufwacht, braucht ihr einen Rückzugsort vor all dem Wahn da draussen. Falls ihr euch schon gewundert habt, was all diese knubbelförmigen Gebilde sind, die sich da mit Eisennägeln im Boden festkrallen: Das nennt man Zelt. Leider gibt es meist ziemlich viele davon. Das Hauptproblem deshalb: “wie finde ich mein verficktes Zelt wieder?” Wie aus den Medien bekannt, hilft es, eine Spur aus Lebkuchenbröseln (oder Kokain) bis vor den Eingang des Zelts zu legen. Wem das zu stressig ist, der zündet sein Zelt (der besseren Sichtbarkeit wegen) beim Verlassen einfach an oder kuschelt sich zu irgendwem.

 

Einnahme
Sollte der kleine Hunger doch mal vorbeischauen, hast du was falsch gemacht. Aber Frischfleisch und Hunde und Ratten gibt es ja auf Festivals genug. (Tip: schonende Garung erhält die Vitamine in der Schale. Als Beilage wird einfach das Nachbarlager geplündert.)

 

Alkohol gibts auf Festivals ja wie Sand am Meer. Gerade deshalb sollte darauf geachtet werden, entweder in Maßen, oder dann gleich in Massen zu trinken. Sämtliche Zwischenstufen hinterlassen unangenehme Erinnerungen.

 

Auch Kif ist total einfach zu organisieren. Jedes Jahr am Lieblingszeltplatz ein paar Hanfsamen in die Erde drücken, das Jahr drauf schon Mittwochs anrücken, ernten, auf glühendem Tanzboden durchtrocknen und schon ist das Wochenende gesichert.

 

Andere Drogen sind nicht mehr nötig - wenn du den DopeHead 2008 besitzt. Per Direktinjektion in Halsschlagader und Geschlechtsorgane stimuliert der DopeHead 2008 nicht nur das Hirn- und Muskelwachstum, sondern auch die Belastung deines Bankkontos. Deshalb hier das ultimative Angebot für den nur 25einhalb Kilo schweren, vollautomatischen Drogeninjektionshelm: Verbrenn dein gesamtes Hab und Gut und du darfst ihn ein Wochenende lang umsonst aufsetzen!
Für Vollpfosten, äh -Profis gibt es den DopeHead 2008 auch mit integriertem MEMORIZER! - der Memorizer - er weiss was du gestern getan hast! Die integrierte Helmkamera “Memorizer” speichert bis zu 120 Stunden Party und Koma und klärt dich hinterher auf, bei wem du dich besser entschuldigen solltest. (Und wenn ihr uns noch eure Oma verkauft, auch als: Intimorizer: der Memorizer für die Hosentasche: Damit ihr diesmal wisst woher der Tripper kommt.) Für ein reines Gewissen empfehlen wir allerdings, den Memorizer wegzulassen.

 

Wie komme ich an Nachschub?
Sei es Wasser, Liebe oder ein kotzefreier Schlafsack - irgendwas fehlt immer. Da hilft nur die gss-Abokiste: dreimal pro Festival bringen wir dir ein Sortiment lebensnotwendiger Artikel: Tabak, Blättchen, Kondome, Crack und kaum benutzte Unterhosen. Die letzten zwei Kisten sind zwar leer, aber das merkt meist keiner mehr.

 

Was tun wenn´s brennt
Hinlaufen und zugucken, Tageszeitungen anrufen, Fotos machen, einen (eventuell) Schuldigen an den Pranger stellen, foltern und dann an die USA ausliefern.

 

Kommunikation
ist spätestens Freitag Abend sowieso nur noch rudimentär möglich. Deshalb lieber schon vorher Schilder malen: “Brauche Sex” - “Vorsicht, muss brechen” - “Wer hat meinen Autoschlüssel gesehen” etc. Dann müsst ihr euch nicht mehr ständig erklären (sag mal gehts dir noch gut?).

Ansonsten hilft auch Grunzen mit einer entsprechenden Geste zu verbinden. Damit lässt sich das komplette Repertoire zwischenmenschlicher Kommunikation abdecken. Von: Komm her du geile Sau, über: ja, es schmeckt, bis: Hilfe, ich habe den Korken verschluckt.

 

Helga
Warum brüllt Gott und die Welt eigentlich ständig Helga? Wenn man sich die typischen Festivalbesucherbedüfnisse anguckt, muss es eigentlich eine der folgenden Erklärungen sein:
1: Helga hat Bier.
2: Helga machts mit jedem.
3: Helga weiss wo dein Zelt steht.

 

Sex - Solltest du unsere Anweisungen nicht befolgt haben, dich somit schlecht vorbereitet haben und es zu Sex kommen, können wir nur für dich hoffen, dass es schnell geht. Wenn, dann bitten wir um äusserste Vorsicht bei der Paarung auf Festivals: Da Festivals im Freien und im Vollrausch stattfinden kann es durchaus sein, dass es aus Versehen zu Sodomie oder schlechtem Benehmen kommt. Sollte ein Mensch am anderen Ende der Leitung sitzen: Noch vorm Ausnüchtern Zeltplatz wechseln!

 

Hygiene:
Wird auf Festivals meist vernachlässigt. Doch das muss nicht sein. Kaltes klares Wasser lässt sich sooo leicht ersetzen. Zum Beispiel mit Bier. Aber auch “mit Dreck einreiben” macht immer noch nachhaltiger sauber als die Duschcontainer, bei denen man schon beim Verlassen wieder bis zum Hals in Matsch steckt. Im Notfall hilft “sogutwiesauber” die Sprühdose mit Hautfarbe. Doch zu wichtig sollte man dieses Thema auch nicht nehmen, schließlich weiss nach dem zweiten Tag keiner mehr wie man Higäne schreibt. Ausserdem sind Schweine total soziale Tiere.

 

Tanzen und tanzverwandte Freizeitspäße
Tanzen, hüpfen, purzeln, pogen, stagediven und brechen (wer kennt nicht den berühmten break-dance, also Brechtanz, bei dem es darum geht ein möglichst grosses Umfeld mit Magensäften zu beschmutzen). Ob in der Achterbahn oder dem Delirium: Das sinnlose Wirbeln um die eigene Achse hat die Menschheit schon immer fasziniert. Tanzen oder kollabieren - im Prinzip ist es doch nur eine andere Weise der totalen Hingabe an die eigene Körperlichkeit.

 

Sicheres Stagediving für fette oder hässliche Menschen: Auf den Boden legen und sich vorstellen man würde angefasst

 

Letzte Hilfe - Maßnahmen gegen: 

Goa: Scherben … dann sehen diese Schweissfusshippies mal, dass das hier kein Picknick ist.

Goa in der Wüste: Einen 50 Dollar Schein, nen kräftigen Zug Sand durch die Nase und schwupp ist die Wüste weg. Einziger Nachteil: Goa ist immer noch da.

Nüchterne: Einen der sie ablenkt und einen ders reinkippt. (Überhaupt hier mal was Ernstes: Wir haben nun schon so oft unser Getränk wo stehen lassen und nie war was drin. Dabei hat die von RTL Explosiv gesagt, dass das funktioniert.)

Langeweile und Mundgeruch - E-Fresh: Die Zahnputzpille. Stundenlang Glück und frischer Atem

 

Alles hat ein Ende nur die Fleischwurst ist ein Ring. Spätestens Mittwochs und allerspätestens im November sollte man sich auf den Heimweg machen. Aber wie? Es hat doch keiner Lust sich mit euch die Polster zu versauen! Um euch dann zumindest die Gnade zu gewähren den Rückweg nicht miterleben zu müssen, empfehlen wir, vor der Fahrt den DopeHead 2008 aufzusetzen um dann warm und gemütlich in einem Zimmer mit weissen Bediensteten wieder aufzuwachen.

 

Dieser Festivalsommer ist zu Ende, hoffen wir das ihr dann wenigstens den nächsten in Würde, und vor allem …
LEBEND
übersteht! (theatralisches Gewitter)

 

Eure grossstadtsurvivor(.de)

 

mehr Tips zu Festivals: hier

 

Bild: undkonsorten photography berlin

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